Wallfahrt von Langtaufers ins Kaunertal – Kaltenbrunn

Erzählung von Frau Barbara Patscheider (Warbl)
Am ersten Sonntag im Oktober gegen sieben Uhr machten wir uns auf den Weg. Norbert ergriff damals die Initiative, ich glaube, in Zusammenarbeit mit der Bauernjugend erfolgte die Organisation.
Treffpunkt war meistens der Gasthof Weißkugel. Gemeinsam stiegen wir zum Weißseejoch (3045 m) und hinunter zum Gepatschhaus, wo wir das erste Mal übernachteten. Beim Kreuz auf dem Übergang haben wir meistens Rast gemacht. Dort steht ein großes Kreuz. Der Herrgott hält einen Arm über Österreich und einen Arm über unser Land. Beim Aufstieg wurde nicht gebetet. Es ist oft vorgekommen, dass wir durch den Schnee über das Joch stapfen mussten. Mein Sohn Reinhard hat sich damals Sorgen wegen der Lawinengefahr gemacht. Es war fast ein Wunder, dass damals nichts passiert ist. Früher konnte man über den Ferner gehen, jetzt ist das Eis geschmolzen und so muss man über das Geröll auf- und absteigen, dies ist nicht ungefährlich, besonders wenn der Boden bereits gefroren ist.
Der Pfarrer Pfeifer hat uns meistens begleitet und hat beim Gepatschhaus in der Kapelle Maria Schnee und in Kaltenbrunn eine Messe gelesen, dabei wurde immer für Verstorbene gebetet, welche bei den Wallfahrten bisher dabei waren.
Warbl erinnert sich an die vielen Rosenkränze und meint: Der Pfeifer hat uns schon beten machen, er hat uns „schiach in die Hond gnummen, da gab es nichts“, bis zur Kirche in Kaltenbrunn wurde gebetet. Achtzehn, neunzehn Rosenkränze haben wir zusammengebracht, denn vom Gepatschhaus sind es ca. 25 Kilometer bis Kaltenbrunn.
In Kaltenbrunn haben die jungen Leute in der Herberge gekocht. Wir Älteren haben uns meistens zurückgehalten, aber die Jungen haben uns zum Essen eingeladen.
Einmal ist auch ein Auswärtiger mitgegangen. Der arme Kerl hat den „Kroum kriag“ und wir hätten ihn bald nicht mehr weiter gebracht.
Am schlimmsten war der Nebel. Einige Male haben wir uns im Nebel verirrt und haben beim Abstieg vom Weißseejoch nach dem richtigen Weg gesucht. Der Bach hat uns dann den Weg gewiesen.
Vom Gepatschhaus sind wir in den letzten Jahren mit dem Bus hinaus nach Kaltenbrunn gefahren. Der Matzoll hat uns dann abgeholt. Einmal musste er wegen der vielen Teilnehmer mit dem großen Bus fahren.
Warbl erinnert sich noch an die Erzählungen ihrer Großmutter: Meine Nandl ist im Jahre 1934 gestorben, sie hat erzählt, dass sie bis Kaltenbrunn gegangen sind, in einem Stadel wurde übernachtet und tags darauf sind sie nach Langtaufers zurückgekehrt.
Was waren die Beweggründe für die mühsame Wallfahrt?
Das Miteinander gehen hat uns besondere Freude bereitet und im Laufe der Zeit ist es eine Tradition geworden, ich bin nur ein oder zweimal nicht mitgegangen. Beeindruckend ist auch der Wallfahrtsort Kaltenbrunn. In der Kirche ist eine Kapelle mit einem Stuhl, wo einzelne Pilger der Muttergottes ihre Sorgen anvertrauen. Oft kamen regelrecht Kreuzzüge zusammen, sodass wir nicht bei der Kirchentür hineinkamen. Die Pilger kamen von weit her. Der Pfarrer von Feichten, ein stoanaltes Mandl, hat die Pilger besonders herzlich begrüßt und hat manchmal die Heilige Messe gelesen, er hat auch festgestellt:
Gell du bist die Älteste!
Warbl mahnt, um den langen Weg auf sich zu nehmen, ist ein gutes Wetter wichtig, wenn der Sturm aufkommt, heult er wie Hubschrauberlärm vom Joch herunter.
