Die versunkenen Dörfer Graun und Reschen

Klang eine Morgenglocke über versunkenes Land,
Berge und Wälder schauten auf des Sees verträumten Strand.

Grünten Wiesen und Matten um einen lieblichen Ort.
Berge, Wald und See war wie ein heiliger Hort.

Der Zeiten gewaltiges Schreiten war stärker als Mensch und See,
so werden Dörfer versinken zu vieler Leid und Weh.

Klingt eine Abendglocke über versunkenes Land,
und die ewigen Berge träumen von des Sees einstigem Strand.
Dr. Hölzl

Versunken aber nicht vergessen,
zerstört aber nicht ausgelöscht,
die Erinnerungen bleiben wach.

Vertrieben aber nicht entwurzelt,
beraubt aber nicht mutlos,

Menschen, die ihre Kindheit und Heimat im Herzen tragen.
Gemeinsam haben wir gute und schlechte Zeiten durchlebt,
gemeinsam wollen wir bessere Zeiten gestalten.

Der 1913 in Westböhmen geborene Musikwissenschaftler, Pianist und Komponist Karl Michael Komma hat als Freund Südtirols, und tief erschüttert vom Schicksal des versunkenen Dorfes Graun, dem wie ein Mahnmal aus den Fluten ragenden Kirchturm die folgenden Verse gewidmet:

Bruder ferner Meeres stürme,
unter deinen Augenbogen
losch das Licht im Sog der Stürme.
Alle sind bergan gezogen,
selbst die Toten umgebettet,
eh die Wasser eingedrungen.
Einzig du bliebst ungerettet
in den nassen Grund gezwungen.
Nachts, wenn rings die Glocken schweigen,
fühlst du die Akkorde steigen,
die voreinst in dir gelebt.
Und sie schwingen in den Stühlen,
dass der See in seinen kühlen Gründen lauscht und lebt.

Gerhard Fischer-Münster

CURON

Für Sopran, Klarinette und Klavier

Halbdunkel noch der neue Tag.

Ein Saum von Gipfeln nimmt sich erstes Licht.

Sanft warten letzte Nebel am weiten Feld.

Gewaltig das Massiv:

Die Wolke verläßt den Wald:  Wie Hände beim Abschied,

sie lösen sich schwer.

Lieblich kühl weht der Wind überm Tal,

das Atmen wird mir bewußt,

mein Blick schweift zum See.

Des Wassers Spiegeln belebt sich mit dem Licht,

tief blau.

Ein Falke fliegt in weiter Bahn.

Erhaben im See zeigt sich wasserumflutet der letzte Zeuge des versunkenen Dorfs.

Halbdunkel noch der neue Tag.

Das erste Boot dringt in  die junge Zeit.

Das Gedicht beschreibt den Morgen am Reschensee bei Graun (Curon) im beginnenden Vinschgau (Südtirol / Italien). Aus dem See ragt noch der Kirchturm des versunkenen Dorfes Alt-Graun. Getextet und komponiert 1999, 50 Jahre nach der Schliessung der Schleusen. Das Werk wurde 1999 in Mainz uraufgeführt.

Gerhard Fischer-Münster (*1952), Komponist: Sinfonien, sinfonische Werke, Kammer- und Vokalmusik teils mit ironisch-satirischen, teils philosophisch-humanistischen Inhalten. Seine Werke finden weltweite Anerkennung. Er ist Dozent am Peter-Cornelius-Konservatorium Mainz (Komposition, Klavierimprovisation, Klarinette, Leiter des Bläserensembles) sowie Gastdirigent und –dozent.





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