Die Kalterer Herrgottskinder

DSC_8674

Arche Noah

Du weißt gar wohl, mein liebes Kind,
Dass nach der Mutter Eva‘s Sünd‘
Die Welt in grause Missetaten,
Arglich ist hineingeraten.
So dass der Herr gar arg verstimmt,
Ob solcher Schändlichkeit entsetzt.
Beschloss zu allerguten Letzt,
Und zwar nach reiflichen Bedenken,
Diese Schandkerle zu ertränken.

Vater Noah nur allein.
Mit Kind und Viehzug groß und klein
Sollte ausgenommen sein.
Mehr als zweiundvierzig Wochen,
Nicht ein bissl unterbrochen.
Platschte es ohne Unterlass,
Kinder da war alles nass.

Alles Leben musst verderben,
Selbst die Fische mussten sterben.
In dem Schlamm den schmutzig trüben,
Nur die Stockfisch‘ sind geblieben.
Deren gibt es, liebe Kinder,
Eher mehr heut noch als minder.
Selbst Vater Noah litt an Strauchen,
Hätt ein Sacktuch können brauchen,
Die ganze Erde war ein Meer,
Und drüber schwamm die Arche her.

Endlich war das Wetter satt
Und man fuhr zum Ararat.
Die Sonne schien warm und klar
Und Vater Noah kämmt sein Haar,
Denn kleines Viehzeug ging spazieren
Was man vergaß zu registrieren.

Da sah man einen großen Panzen,
im Wasser auf und nieder tanzen.
Und als man nahte mit der Archen,
Hörte Noah etwas schnarchen.
Zwei Menschen sind es, welcher Schrecken!
Vater Noah ließ sie wecken,
Frug sogleich dann, wer man wär?
„Wir sind vom Etschland, lieber Här!
Bin va Niklas lei Gott zum Gruß,
Mein Weib die Trinl, die bleibt im Pfuß.
Als das Unheil uns betroffen,
Haben wir den Wein ausgesoffen
Und sein dann in das Fassl g`schloffn,
Hob’ donn in unsern Offn,
Den gonzen Regen rein verschlofen.
Da lächelt Noah voller Freuden,
Kommt ins Schiff ihr alle Beide!
Ihr seid wunderbar gerettet!
Ich hätt bei meiner Seel gewettet,
Wenn das Wasser Weinbrüh wär,
Ihr söffet mir die Sintflut leer.
Ihr seid getauft mit klarem Wein,
Ihr müsset brave Kalterer sein.




target="_blank">Dynamic Headers by Nicasio WordPress Design