Testament des erlegten Bären

TESTAMENT DES ERLEGTEN BÄREN (Tiroler Schützenzeitung 1866 vom 1. Mai)

Da die Bestattung des kürzlich erlegten Bären in Nauders vorüber ist, so bleibt nur noch übrig, die letztwillige Anordnung zu veröffentlichen, welche der Bär noch in seinem letzten Augenblicke, doch bei gutem Verstand und vollem Bewußtsein den Schützen von Reschen mündlich eröffnet hat. Es lautet: Euch Reschener Schützen vermache ich meine Hochachtung und meine Haut, die ich in diesen bösen Zeiten ehrlich und redlich durch die Welt getragen. Ich beuge mich vor der Schlauheit und Macht, mit der ihr meinen Spuren gefolgt und womit ihr mich aus diesem Jammerthal erlöstet. Es gibt mir Trost in meinem letzten Kampfe, daß ich noch Männer kennen gelernt, die den drohenden Ereignissen die Stange halten können. Weiteres muß ich meine Befriedigung ausdrücken, daß mir die Nauderer Schützen gegönnt haben, so viele Jahre in diesen schönen Bergen zu weilen, obwohl mich weder Heimatsschein, noch Paßkarte hiezu berechtigte. Denjenigen Schützen in Nauders aber, welche sich meinetwegen die Füße wund gelaufen haben, vermache ich mein weniges Schmalz, um damit ihre Wunden einreiben zu können. Mit gerührtem Herzen danke ich endlich den Schützen von Pfunds, welche bei meiner letztjährigen Sommerfrische auf dem Berge Tschei Salven mit Pöllern gegeben haben. Ich nahm diese Pöllerschüsse als Zeichen der Verehrung gegen meine Person, sollte jedoch damit gemeint gewesen sein, mich zu vertreiben, so bitte ich das löbliche Bezirksamt, den Schützen das Pulver aus dem Preise, der auf meine Haut gesetzt ist, zu vergüten. Allen aber reiche ich sterbend meine Pratze zur Versöhnung. In einer Viertelstunde ist sie vollkommen erstarret, und darf sich daher dann keiner von meinen Feinden fürchten, den Pratzen-, beziehungsweise Handschlag einzugehen.




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